Vier Tage, elf Radpilgerinnen und Radpilger, drei bedeutende Marienwallfahrtsorte und viele Begegnungen, die in Erinnerung bleiben: Vom 13. bis 16. August 2026 war eine Gruppe aus dem Pastoralverbund Nördliches Siegerland und darüber hinaus unter dem Leitwort „Mit Maria unterwegs – Trost, Hoffnung und Freude finden“ mit dem E-Bike unterwegs.
Unser Weg führte uns von Finnentrop zunächst durch das Sauerland, am Sorpesee entlang und über das Kloster Oelinghausen nach Werl. Am folgenden Tag ging es über Welver, Hamm-Uentrop, den Datteln-Hamm-Kanal, Ahlen und Borbein weiter nach Telgte und schließlich nach Warendorf. Dort erlebten wir rund um das Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel einen ganz besonderen Abschluss unserer Wallfahrt.
Wie so oft beim Pilgern zeigte sich dabei: Nicht nur das Ziel zählt. Mindestens genauso wichtig sind die Menschen, die Begegnungen und die vielen kleinen Erlebnisse unterwegs.
Wenn die Bahn nicht mitspielt, beginnt das Pilgern eben anders
Los ging es am Donnerstagmorgen in Finnentrop. Eigentlich hätte die Bahn bei der Anreise eine Rolle spielen sollen. Doch angesichts von Baustellen auf der Strecke und der damit verbundenen Unzuverlässigkeit wurde kurzerhand umgeplant.
Die Fahrräder hatten wir deshalb bereits am Vortag nach Finnentrop gebracht und dort sicher bei der Kath. Kirche in Finnentrop deponieren können. Ein herzliches Dankeschön gilt Pastor Krischer, der dies unkompliziert möglich machte.
So konnten am nächsten Morgen alle direkt in den Sattel steigen. Und vielleicht war das sogar ein ziemlich passender Beginn einer Wallfahrt: Nicht immer läuft alles so wie ursprünglich geplant – aber der Weg findet sich trotzdem.
Für zusätzliche Sicherheit sorgte während der gesamten Tour ein Begleitfahrzeug der GFO Attendorn. Um Service, Gepäck und Unterstützung unterwegs kümmerten sich Izabela Teipel und ihre Freundin Carmen. Während die einen Kilometer sammelten, sorgten die beiden im Hintergrund dafür, dass vieles reibungslos funktionieren konnte.
Ein ganz herzliches Dankeschön an die beiden für ihren Einsatz und natürlich auch an die GFO Attendorn, die uns das Begleitfahrzeug zur Verfügung stellte!
Vom Lennetal an den Sorpesee – und weiter nach Oelinghausen
Schon die erste Etappe zeigte, wie abwechslungsreich eine Wallfahrt auf zwei Rädern sein kann. Von Finnentrop führte unser Weg zunächst durch das Sauerland in Richtung Sorpesee. Nach den ersten Kilometern und einen anstrengenden Aufstieg über das hohe Lenscheid tat es gut, den Blick über das Wasser schweifen zu lassen und für eine kurze Rast aus dem Sattel zu steigen für eine gemütliche Mittagsrast.
Ein besonderer Stopp des Tages war schließlich das Kloster Oelinghausen. Die ehemalige Prämonstratenserinnenabtei liegt etwas abseits und vermittelt bis heute viel von der Ruhe eines alten Klosterortes.
Dort wurden wir besonders herzlich von einer Schwester der Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel und einer Mitarbeiterin empfangen. Bei Kaffee konnten wir uns stärken, ein wenig ausruhen und miteinander ins Gespräch kommen. Gerade nach dem Weg vom Lennetal über den Sorpesee war diese längere Pause eine willkommene Unterbrechung – und zugleich ein Ort, an dem die geistliche Seite unserer Reise wieder stärker in den Vordergrund rückte.
Solche Begegnungen machen aus einer Fahrradtour eben mehr als nur eine sportliche Unternehmung. Gestärkt ging es anschließend auf den letzten Kilometern der rund 65 Kilometer langen ersten Tagesetappe weiter nach Werl.
Ankommen bei der „Trösterin der Betrübten“
In Werl, dem ersten großen Marienwallfahrtsort unserer Tour, wird Maria seit Jahrhunderten als „Trösterin der Betrübten“ verehrt.
Nach den vielen Kilometern im Sattel war es ein besonderer Moment, gemeinsam anzukommen und den Tag nicht einfach nur zu beenden, sondern ihn bewusst vor Gott zu bringen.
Ein Höhepunkt unseres Aufenthalts in Werl war die gemeinsame Heilige Messe mit Pastor Mockenhaupt. Inmitten unserer Radtour bot sie Gelegenheit, zur Ruhe zu kommen, Dank zu sagen und das bisher Erlebte noch einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten.
Ein herzliches Dankeschön an Pastor Mockenhaupt, der sich die Zeit genommen und mit unserer Pilgergruppe die Heilige Messe gefeiert hat.
Die Übernachtung im Pilgerkloster machte das Pilgergefühl schließlich komplett: Radfahren, ankommen, miteinander feiern und beten, zur Ruhe kommen – und am nächsten Morgen wieder gemeinsam aufbrechen. Für die perfekte Verpflegung und Stärkung sorgten dabei wieder Iza und Carmen.
Von Werl über Welver ins Münsterland – plötzlich wird es flach
Am zweiten Tag führte unser Weg von Werl zunächst nach Welver. Dort machten wir Station in St. Bernhard, der heutigen katholischen Pfarrkirche auf dem Gelände des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters. Das Kloster wurde um 1240 gegründet und prägte Welver über Jahrhunderte. Nachdem die ältere Klosterkirche im Zuge der konfessionellen Veränderungen evangelisch geworden war, errichteten die Zisterzienserinnen um 1700 unmittelbar daneben eine neue Klosterkirche – das heutige St. Bernhard. Das Kloster selbst wurde 1809 aufgehoben.
Für uns war dieser geschichtsträchtige Ort zugleich eine geistliche Station am Vormittag. Zwischen den beiden alten Kirchen und den Resten der früheren Klosteranlage wird bis heute sichtbar, wie wechselvoll die Glaubensgeschichte Westfalens gewesen ist.
Von Welver ging es weiter Richtung Hamm-Uentrop. Dort änderte sich das Landschaftsbild deutlich: Statt Klostermauern und Feldern rückten plötzlich Industriegeschichte und Energieversorgung in den Blick. Wir passierten das stillgelegte Kraftwerk Westfalen, dessen letzte Steinkohleblöcke 2021 endgültig vom Netz gingen. Der riesige Kraftwerksstandort war über Jahrzehnte eines der prägenden Industrieensembles der Region und bildet bis heute einen markanten Kontrast zur flachen Landschaft ringsherum.
Anschließend folgte unsere Route ein Stück dem Datteln-Hamm-Kanal. Der Kanal ist nicht nur eine wichtige Wasserstraße, sondern bietet mit seinen Uferwegen auch lange, angenehm zu fahrende Abschnitte für Radfahrer. Nach den Höhenmetern des Sauerlands am Vortag war das fast schon luxuriös: Kilometer machen, ohne dass hinter jeder Kurve der nächste Anstieg wartet.
Über die weite münsterländische Landschaft erreichten wir schließlich Ahlen. Dort legten wir unsere Mittagspause ein – eine willkommene Gelegenheit, Beine und Akkus zu schonen, etwas zu essen und Kraft für die zweite Hälfte der Etappe zu sammeln.
Danach führte der Weg weiter in die Ahlener Bauerschaft Borbein. Dort wartete mit der Herz-Jesu-Kapelle noch einmal eine ganz andere Form von Kirchenraum auf uns.
Auch dort wurden wir von einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin ausgesprochen herzlich empfangen.
Die kleine Kapelle ist heute eine moderne Lichtkapelle und zugleich Radwegkirche. Über ein digitales Multimediasystem lassen sich Musik, Texte, Psalmen, biblische Impulse und Andachten auswählen; passend dazu wird der Kirchenraum mit einer Lichtinstallation stimmungsvoll illuminiert.
Natürlich ließen wir uns darauf ein – und waren beeindruckt. Licht, Klang, Musik und Texte verwandelten den kleinen Kirchenraum für einige Zeit in einen ganz besonderen Ort der Ruhe und Besinnung.
Moderne Technik und Spiritualität müssen eben keine Gegensätze sein. Gerade nach den langen Kilometern über Welver, Hamm, den Kanal und Ahlen war diese Station noch einmal eine echte Atempause, bevor wir uns auf die letzten Kilometer nach Telgte machten.
Weiter zur Schmerzhaften Muttergottes nach Telgte
Von Borbein führte unser Weg schließlich weiter nach Telgte, einem der bekanntesten Marienwallfahrtsorte Westfalens.
Dort wird seit Jahrhunderten die Schmerzhafte Muttergottes verehrt. Nach einem langen Tag auf dem Fahrrad bildete ein gemeinsamer, geistiger Abend-Impuls einen ruhigen geistlichen Abschluss unserer 75 km langen, zweiten Etappe. So konnten wir uns im angrenzenden Park an der Ems gemütlich bei einer Pizza stärken, bevor es dann schließlich weiter zu unserer Unterkunft nach Warendorf ging.
Wenn eine ganze Stadt Maria feiert
Am dritten Tag entdeckten wir schließlich die Warendorfer Altstadt – und dort wurde schnell deutlich, dass Mariä Himmelfahrt hier weit mehr ist als nur ein Feiertag im Kirchenkalender.
Die ganze Innenstadt steht an diesem Wochenende im Zeichen des Festes. Kirche, Tradition, Kirmes, Begegnung und jahrhundertealtes Brauchtum verbinden sich zu einer ganz besonderen Atmosphäre.
Ein Markenzeichen des Warendorfer Heimatfestes sind die großen Marienbögen, die von verschiedenen Bogengemeinschaften in der Altstadt aufgebaut und aufwendig geschmückt werden.
Am Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel feierten wir gemeinsam das festliche Hochamt.
Besonders eindrucksvoll wurde es jedoch nach Einbruch der Dunkelheit.
Dann erstrahlten die Marienbögen in unzähligen Lichtern. Die historischen Straßen und Häuser, die vielen Menschen und dazwischen immer wieder die festlich beleuchteten Mariendarstellungen und roten Laternen schufen eine Atmosphäre, die sich nur schwer in Worte oder auf Fotos bannen lässt.
Wir ließen uns viel Zeit, durch die Straßen zu gehen und die beleuchteten Bögen, Straßen und Kirchen bei Nacht zu genießen.
Und weil unser Wallfahrtsmotto nicht nur von Trost und Hoffnung, sondern ausdrücklich auch von Freude sprach, durfte natürlich auch das bunte Leben rund um das Warendorfer Heimatfest nicht fehlen. Zahlreiche gemütliche Biergärten in gemütlichen Gassen und Gärten boten ausgiebig Gelegenheit dazu.
Prozession als feierlicher Abschluss
Am Sonntag bildete schließlich die große Stadtprozession einen feierlichen Abschluss unserer Tage in Warendorf.
Durch die festlich geschmückte Innenstadt, vorbei an Marienbögen und Segensstationen zog die Prozession durch die Stadt.
Nach vier Tagen unterwegs war das noch einmal ein besonderer Moment: gemeinsam mit vielen anderen Menschen beten, singen und den Glauben öffentlich feiern.
Danach hieß es langsam Abschied nehmen.
Vier intensive Tage lagen hinter uns – mit vielen Kilometern auf dem Fahrrad, aber vor allem mit vielen Eindrücken, Gesprächen und Begegnungen.
Mehr als Kilometer
Am Ende wurde deutlich, wie gut das Leitwort „Mit Maria unterwegs – Trost, Hoffnung und Freude finden“ zu unserer Wallfahrt gepasst hatte.
Trost und Ruhe fanden wir in Kirchen und Kapellen und in den gemeinsamen Gebetszeiten.
Hoffnung zeigte sich in vielen Begegnungen mit Menschen, die uns unterwegs mit großer Offenheit und Gastfreundschaft empfangen haben.
Und an Freude mangelte es ebenfalls nicht: beim gemeinsamen Radfahren, bei den Pausen und geistigen Stationen, beim Essen, bei spontanen Gesprächen und nicht zuletzt beim besonderen Erlebnis des Festwochenendes in Warendorf.
Eine Wallfahrt mit dem E-Bike ist dabei durchaus eine moderne Form des Pilgerns. Der Motor nimmt einem vielleicht manchen Berg ab – den Weg aber nicht.
Man ist draußen, erlebt Landschaft und Wetter unmittelbar, kommt miteinander ins Gespräch und hat zwischen zwei Stationen genügend Zeit, Gedanken weiterzutragen.
Unser herzlicher Dank gilt allen, die diese vier Tage möglich gemacht haben: Pastor Krischer für die Unterstützung in Finnentrop, Pastor Mockenhaupt für die gemeinsame Heilige Messe in Werl, den Menschen, die uns in Oelinghausen und Borbein so herzlich empfangen haben, der GFO Attendorn für das Begleitfahrzeug und ganz besonders Izabela und Carmen, die während der gesamten Wallfahrt für unsere Gruppe da waren.
Unter dem folgenden Link gibt es die fotografischen Eindrücke zur Fahrrad-Wallfahrt:
Infos zum Thema "Missbrauch im Erzbistum Paderborn" und Kontaktadressen für Betroffene
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Gemeindekirche, Urnenfriedhof und Trauerherberge - das alles ist die Kolumbariumskirche Heilig-Kreuz in Siegen-Weidenau unter einem Dach.